(Kanada) Ich wusste nie, dass ich weinen kann

ich weiß nicht mal, warum ich das hier schreibe, aber ich glaube, es liegt mir schon eine Weile auf der Seele. Ich war immer der Mensch, der nicht weint, nicht als Kind, nicht wenn schlimme Dinge passiert sind, niemals. Ich habe einfach nie einen Sinn darin gesehen, denn Weinen ändert nichts, es repariert nichts, also warum sich die Mühe machen? Ich dachte immer, das macht mich stark, als ob ich, wenn ich alles in mir behalten und weitermachen könnte, in Ordnung wäre. Aber dann, an einem zufälligen Tag, es war nicht mal eine große Sache oder so, fuhr ich von der Arbeit nach Hause, und es lief dieses Lied, ein altes Lied, das ich seit Jahren nicht mehr gehört hatte. Es kam einfach aus dem Nichts, und aus irgendeinem Grund brach es mich. Plötzlich konnte ich mich nicht mehr zusammenreißen, ich musste anhalten, weil ich nicht einmal mehr klar sehen konnte, und ich fing einfach an zu weinen, nicht nur ein paar Tränen, sondern richtig heftiges Schluchzen, bei dem man nicht mal richtig atmen kann. Es ging nicht mal um das Lied, es war alles, es war all der Kram, den ich schon seit weiß Gott wie lange in mir festgehalten habe, Menschen vermissen, mich selbst vermissen, das Gefühl, immer die Last von allem zu tragen und nie loszulassen. Es kam einfach alles auf einmal heraus, und ehrlich gesagt, es fühlte sich komisch an, aber es fühlte sich auch so an, als wäre es vielleicht genau das, was ich brauchte, als hätte ich jahrelang den Atem angehalten und ihn endlich losgelassen. Ich hätte nie gedacht, dass ich die Art von Mensch sein würde, die weint, aber hier bin ich, und ich denke, das ist okay. Ich weiß nicht, ich wollte das einfach irgendwo loswerden, es fühlt sich gut an, es zu sagen, auch wenn niemand zuhört

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